Die Druckerei / by René Schröder

Bildbände

Ich möchte selbst entscheiden was ich schön finde und was nicht.

15 Uhr und der Termin in der Druckerei stand an. Ich war wie immer überpünktlich und stand mitten in einem Gewerbegebiet in Leipzig. Klingeln, Treppe hoch und schönen guten Tag. Ein Mann um die 40 öffnete mir fragend die Tür. „Wer sind Sie?“. „Mein Name ist Schröder und ich habe heute einen Termin bei Ihnen.“ Er fragte mich, um was es ginge und verschwand dann für ein paar Minuten in seinem Büro. Ok?! 5 min später begrüßte mich eine mit einem ausgefransten Spickzettel ausgerüstete Frau. „Ich bin Frau Schulze*.“ Alles klar, dann legen wir mal los. Ich erzählte ihr grob, um was es in meinem Buch gehen soll und auf welche Details ich wert lege. Zuerst galt es, die Papierfrage zu klären. Um mir eine Auswahl und eine Vorstellung zu geben, zog Frau Schulze unzählige Bücher aus Ihrem Regal. Hier ein Buch über die Stadt Leipzig. „Das ist ein Papier auf dem Fotos sehr gut aussehen.“ Ehhhhhm, finde ich so gar nicht. Das Buch sah aus wie ein 19,99€ Fotobuch vom Discounter. Als hätte der Papa seine Urlaubsfotos mal schnell für eine schmale Mark printen lassen. Ich war entsetzt. Die bis dato nette Dame spürte mein Entsetzen und legte mir gleich noch ein paar hippe Broschüren hin. „Yes!“ Genau mein Papier! Genau mein Look! Vielleicht ist es Zufall, vielleicht verstehen wir uns ja doch. Egal. Papier war gefunden, Größe auch. Ich fragte nach Bindungsarten und deren Vor- und Nachteilen. Sie entgegnete mir auf alles was ich sagte mit dem freundlich gemeinten Hinweis, dass es doch sehr teuer sei und ob ich das wirklich möchte. Ich habe mit dieser Art von Beratungs- bzw. Verkaufsgespräch folgende Probleme: 1. ich möchte selbst entscheiden was ich schön finde und was nicht. 2. kann nur ich wissen, was für mich zu teuer ist oder einfach eine Bereicherung darstellt. Ein Berater/ Verkäufer soll sich anhören, was ich möchte und mir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Kompromisse sollte man erst suchen, wenn es nötig ist. Mit dem Mindesten ranzugehen, so dass alles billig sein soll bzw. alles so aussehen soll, wie es andere machen bin ich nicht einverstanden. Sie schrieb sich die Daten auf und fragte mich abschließend nach meiner Visitenkarte. Uff. Ja klar hab ich Visitenkarten, aber ich habe doch schon meine Daten im Vorfeld hinterlegt. Warum jetzt Stücke toten Baum mit Tinte hinterlassen? Ich erklärte ihr, dass ich grundsätzlich welche besitze aber gar keine bei mir habe. Memo an mich selbst: IMMER Visitenkarten einstecken. Meine sind auch nicht besonders schön und die E-Mailadresse hat sich geändert. Todo-List Platz 1, Visitenkarten. Auf meine Frage nach einem Grafiker, den Sie mir empfehlen kann, entgegnete Sie mir nur, dass es viele schlechte gibt, weil die das heutzutage ja gar nicht mehr lernen. Jeder kann sich ja so ähnlich nennen und liefert dann unzureichende Druckvorstufen. Sie erklärte mir, dass Sie deswegen mehr Arbeit hat und alles ja so schlimm sei. Außerdem fragte Sie mich ob ich wirklich Fotograf sei. Das ist eine sehr gute Frage. Wer oder was ist denn ein Fotograf? Jemand der ein Zertifikat hat, welches er sich irgendwo durch Zeit und Geld erworben hat oder muss das ein Studium sein? Ich kann leider keine Zertifikate bieten. Unsere Meinungen gehen sehr weit auseinander. Für mich ist so ein Zettel kein Beweis für Qualität. Im Gegenteil. Vielleicht erklär ich dir meine Sicht dazu in einem späteren Post.  Wir verabschieden uns und ich verbleibe erwartungsvoll auf das Angebot. Handschlag, Tür zu und ab ins Auto. Im Auto angekommen, begann mein Hirn zu rattern und ich dachte mir nur…. was habe ich falsch gemacht. Soll ich für die Wahrnehmung einen Anzug tragen? Ich brauche die besten Visitenkarten und und und … dann kam mir aber doch noch ein anderer, in meinem Augen wesentlicher, Gedanke. Frau Schulze hat mich nicht begeistert. Sie ist nicht auf mich eingegangen, hat mich nicht abgeholt und hat mir das Gegenteil von einem guten Gefühl geben. Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke, ganz unabhängig vom Preis, diese Frau teilt nicht die Leidenschaft und Energie wie ich für meine Arbeit und mein Projekt. Jetzt warte ich erstmal ab und mache mir neue Visitenkarten.

Bis bald

René

*Frau Schulze heißt garnicht Frau Schulze