Mein erstes Interview / by René Schröder

 Daniel

Daniel

Das Projekt kommt ins laufen und ich teste mich das erste mal im Interviewen. Naja, eigentlich interviewe ich regelmäßig Menschen die vor meiner Linse stehen. Ich nenne es nur nicht so. Kommunikation ist eines der wichtigsten Dinge um Menschen vor der Kamera zu einem bestimmten Bild zu bekommen. Manchmal weiß man wie das Bild aussehen soll. Man hat eine Idee. Aber meistens entwickelt sich diese Idee im Gespräch weiter. Ich bin unglaublich von Menschen fasziniert und jedes Mal überrascht, in welch kurzer Zeit Wildfremde mir extrem private, persönliche Dinge offenbaren und mir einen Blick in ihre Persönlichkeit geben. Für mich ist dies ein Geschenk und ich bin unendlich dankbar. Ab und zu fragen mich die Portraitierten, ob ich sie interviewe und dann bin ich immer wie vom Blitz getroffen. Es ist nicht meine Intention. Es ist das pure Interesse an dem Menschen. Aber noch nie bin ich mit dem Ziel, ein Interview zu führen los und habe das noch aufgenommen. Ich machte mir Gedanken, welche Fragen ich stellen kann, welche den Menschen zeigen, welche meine Bilder untermalen. Sie dürfen nicht zu krass sein. Sie dürfen nicht langweilen. Ein paar Tage vor dem Interview rief ich einen befreundeten Schauspieler, Rapper, Interviewer und Schreiber an. Ich schätze ihn als Person, als Schauspieler, als Rapper und weiß, wie sehr er  mit Menschen kann. Bereitwillig und vom Projekt begeistert gab er gleich Vollgas und schickte mir einen Fragenkatalog zu. Klick auf die Mail, lesen, finde ich gut. Nach einigen Tagen und kurz vor dem Interview beschäftigte ich mich noch einmal intensiver mit den Fragen und musste feststellen, dass die Fragen mich nicht an mein Ziel bringen würden. Also nochmal überarbeiten. Ich entschied mich, mit Daniel zu starten. Wir verabredeten uns im Augustiner am Markt zum Essen. Ein Schnitzel, ein Leberkäse und einige Biere. Daniel wusste allerdings bis dato nicht, dass ich heute ein Interview mit ihm führen würde. Ich legte das Diktiergerät auf den Tisch und weihte ihn in meinen Plan für den Abend ein. Er war sehr überrascht aber stimmte sofort zu. Wie cool ist dieser Typ bitte?!  Er war komplett offen und erzählte mir sehr private und unbequeme Dinge über sich und sein Leben. Die Zeit verging wie im Fluge und ich schaute nicht einmal auf meine Aufzeichnungen. Die Fragen ergaben sich. Allerdings merkte ich, dass es mir schwer fiel, einen roten Faden durch unser Interview zu ziehen. Danke Daniel für deine Offenheit und für dein Vertrauen. Nun sitze ich an den Aufzeichnungen und höre sie mir immer und immer wieder an. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die Texte im Buch selbst schreiben soll oder diese Aufgabe abgebe. Allerdings werde ich die Aufzeichnungen abtippen, bzw. die mir anvertrauten Sachen nur so weiter geben, dass keine Nachteile für die Interviewten entstehen. Manchmal sind gesagte Dinge nur mit der dazugehörigen Mimik und Gestik sinnvoll und ich möchte nicht, dass der Mensch falsch dargestellt wird. Es ist ein schmaler Grat, aber ich werde das gegebene Vertrauen nicht enttäuschen.

Bis bald

René